Immer häufiger und immer lauter stellen Bürger Ergebnisse von Planungs- und Auswahlprozessen in Frage. Das gilt sowohl für öffentliche und private Planungen – Stuttgart 21 ist der Prototyp. Es gilt aber auch für Architektenwettbewerbe, deren Siegerentwürfe anschließend am öffentlichen Protest scheitern, etwa Hamburger Domplatz, in der Frankfurter Altstadt, am Dresdner Neumarkt oder zuletzt im Fall der Heidelberger Stadthalle. Die Politik folgt dem Mehrheitswillen, was einerseits demokratisch erwünscht ist, andererseits nicht immer die beste Qualität gebiert. Planungen dauern immer länger und sind immer weniger verlässlich, wenn sie nach langwierigen und komplexen Verfahren schließlich auf einen manchmal populistischen Widerstand stoßen. Als Referentin macht sich Bettina Oppermann, Professorin für Planungskommunikation und –politik, Gedanken über Partizipation in Wettbewerbsverfahren: „Das Vorschalten eines Bürgerbeteiligungsverfahrens und der Integration von Bürgerkriterien könnte die ;Bürgerferne’ beheben, ebenso die Einladung von Bürgern in die Jury.“
Beteiligungs-Fragen
- Wie ist das vorhandene Planungsrecht partizipativ zu nutzen? Reichen diese Möglichkeiten aus?
- Wie funktionieren die Anschlüsse zwischen den Elementen der repräsentativen und der direkten Demokratie?
- Das Ende der Planbarkeit: Spricht aus den Vergabe- und Genehmigungsverfahren noch ein politischer Wille oder ist die Politik schon verstummt und nicht mehr werte- sondern nur noch interessengeleitet?
- Wie muss die öffentliche Auseinandersetzung als Teil der planungsbegleitenden Qualitätsdebatte gestaltet sein?
- Architektenwettbewerbe sind ein Instrument, um die richtige gestalterische Antwort auf eine Fragestellung zu finden. Für welche Fragestellungen findet die Bürgerbeteiligung die besten Ideen und Lösungsansätze?
- Partizipation lebt vom „Wissen der Vielen“ – kann diese Ressource das Ringen um architektonische Qualität voran bringen?
- Welche Ängste haben Architekten, wenn mehr Beteiligungen in ihrer Planung gefordert wird?
Thesenpapier Prof. Bettina Oppermann



