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2-3 Zwischen Haltung und Zwängen

Panel 2.3: Zwischen Haltung und Zwängen – Wie bleiben Planer unabhängig?

Auf dem Panel:
Markus Bader, raumlabor, Nanni Grau, Hütten & Paläste, Mechthild Heil, MdB Bauausschuss, Jan Musikowski, Richter Musikowski Architekten

Moderation:
Reiner Nagel, Bundesstiftung Baukultur

Essenz:

  • Architektur kann nie unabhängig sein, sondern ist immer eingebettet in gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen.
  • An die Stelle von Unabhängigkeit tritt Selbständigkeit im Denken und Handeln.
  • Experimente und innovative Ansätze müssen durch die Politik stärker gefördert werden.
  • Architekten sind auch Dienstleister – allerdings in erster Linie gegenüber der Gesellschaft. 


Bericht:
Mechthild Heil: Sie ist selbständige Architektin und Bundestagsabgeordnete – wie unabhängig ist man? Sie lebt mit dem Vorwurf der Bestechlichkeit. Im Bundestag liegt der Fokus eher bei den Juristen, nicht bei den Architekten, die werden eher als Teil des Problems gesehen, nicht als Teil der Lösung. Architektur werde nicht automatisch mitgedacht. Aktuelles Thema derzeit: Bauen, bauen, bauen. Ein eigenes Bauministerium gibt es wieder nicht, Thema ist bei Verkehr und Inneres angesiedelt. Daher die Empfehlung: Architekten sollten sich auch politisch einsetzen – „einmischen“!

Nanni Grau: Bauen mit Genossenschaft – gibt viele Variablen. Festlegungen bei Planen und Bauen nehmen und darüber Unabhängigkeit entwickeln. Experimente sind wichtig.

Markus Bader: Impulse setzen durch Experimente, Räume schaffen. Architektur kann nie unabhängig sein, ist immer eingebettet in gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen. Architektur ist gemeinsam zu entwickeln – zutiefst eingebettet und Teil der Gesellschaft. Urbane Praxis und Raumplanung. Architektur ist kein Heilsbringer. Planer sollten ihre Handlungsmacht einsetzen. Selbständiges Denken und Handeln ist wichtig – wie begreift man seine Rolle. Architektur ist nicht nur „ein Produkt“ – keine reine Dienstleisterhaltung.

Jan Musikowski: Schildert ein Projekt - Aufgabe wird gestellt. Architekt entwickelt sein Potential, muss die Idee dem Bauherren schmackhaft machen: „Ein großer Kampf, bei dem man wach sein muss“. Partnerschaftlich agieren, immer Dialog suchen („Dialogkultur“).

Kann Politik Experimente und neue Lösungen fördern? Ja, z.B. durch externe Gestaltungsbeiräte oder indem man intelligente Fragen stellt – das wird in der Runde begrüßt. Bader empfiehlt sich auf den Weg ins Unbekannt zu machen, man sollte auch scheitern können (raumlabor). Was kann man mit Fördermitteln erreichen.
Wunsch an die Politik hier Rückendeckung für Experimente zu bekommen, kreative Ideen und riskante Umsetzungen angehen. Experimentierklauseln oder Bestandsklauseln einführen, Dschungel von Vorschriften. Publikum (Edmaier): Situation in Berlin, Wohnungsnot, GEG. Erst gute Prototypen entwickeln mit Modellcharakter. Experimentierklausel – neues probieren sollte möglich sein. Musikowski betont, der Nährboden für Experimente sollte politisch organisiert werden, dies sollte kontinuierlich betrieben werden.

Die Runde hinterfragt die IBA´s mit ihrem experimentellen Charakter, dazu werden Erfahrungen ausgetauscht. Wichtiges Thema sei das Verhältnis Auftraggeber und Planer. Was erwarten Bauherren vom Planer? Musikowski beschreibt den „Kampf“ mit dem Bauherren über Material und Qualität. Die Architekten und Planer sollten hier auch Grenzen aufzeigen und „Haltung“ zeigen – notfalls lieber den Auftrag nicht annehmen. Heil bestätigt, die Architekten sollten sich auch mal durchsetzen und Überzeugungskraft haben, wo möglich aber auch Zugeständnisse machen.
Das Budget zum Bauen ist vorgegeben, erstmal kämpfen. Empfohlen wird, sich mit dem Bauherren schon frühzeitig über übergeordnete Ziele und Werte zu verständigen und dies aushandeln und festschreiben („Haltung“). Aus dem Publikum werden noch die Themen Durchlässigkeit und Nachwuchsförderung sowie Innovation angesprochen. Architekten und Planer sind Angehörige der freien Berufe und Dienstleister – aber in erster Linie gegenüber der Gesellschaft und nicht vom Bauherren, sie seien Gemeinwohlverpflichtet. Angemerkt wird, dass Architekten schlecht bezahlt seien für die hohe Verantwortung die sie tragen. Musikowski bestätigt dies, Auftraggeber hätten oft kein Bewusstsein für Stundenlöhne im Vergleich z.B. zum Handwerk.   

 

 
 

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