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3-3 Inklusion

Panel 3.3: Inklusion in der Planung – Ein exklusives Planungsthema?

Auf dem Panel:
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Prof. Irene Lohaus, Technische Universität Dresden, Anne Wening (stellvertretend für Volker Sieger), Bundesfachstelle Barierefreiheit, Šárka Voríšková, raumleipzig architekten, universalRAUM

Moderation:
Friederike Meyer, Chefredakteurin Baunetz Meldungen

Essenz:

  • Barrierefreiheit geht alle an!
  • Inklusion ist ein Konzept für die gesamte Gesellschaft.
  • Wir brauchen mehr Lust der Architektinnen, neue, kreative Lösungen für ein "Design for all" zu entwickeln.

Bericht:
Jürgen Dusel eröffnet die Diskussion mit einem kurzen Impulsvortrag. Er betont, dass Inklusion nicht nur für Behinderte wichtig ist, sondern ein Konzept, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben sei eine Grundlage für funktionierende Demokratie. Lange habe man exkludierend geplant, d.h. Behinderte lebten in ihrer eigenen Welt. 12,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als behindert, diese Gruppe ist heterogen, inklusiv zu planen braucht Expertise, Behinderte müssen in die Planung integriert werden. Würde man Deutschland im internationalen Vergleich eine Note für Inklusion geben, so bekäme es nur eine 3-4, denn „accessibility“ beschränkt sich hierzulande oft auf den öffentlichen Bereich. Dusel fordert, dass auch private Anbieter verpflichtet werden sollten, barrierefreie Produkte anzubieten – das sei eigentlich Bundesrecht.

Irene Lohaus fordert, dass Barrierefreiheit in Wettbewerben von Anfang an mitgedacht werden muss, denn nur dann können anspruchsvolle architektonische Lösungen entstehen.

Jürgen Dusel erläutert, dass Barrierefreiheit bedeutet, dass Dinge und Räume von Behinderten „in der allgemein üblichen Weise und ohne fremde Hilfe genutzt werden können.“ Das Konzept „Design for all“ begreift er als einen Aufforderung zur Kreativität. Mit Blick auf den aktuellen Aufbau digitaler Infrastrukturen warnt er davor, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken und nicht die gleichen Fehler zu machen, die früher bereits in anderen Feldern gemacht wurden.

Šárka Voríšková betont, dass man nicht noch mehr Gesetzte für barrierefreies Bauen braucht, sondern mehr Lust und Kreativität, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Lohaus ergänzt hierzu, dass es darum geht, Spielräume der DINs auszunutzen, dass es für viele Planer aber schwierig ist, diese Spielräume zu finden. Wening verweist auf die entsprechenden Beratungsstellen, denn für einen Planer allein, sind die Vorschriften oft nur schwer zu bewältigen.

Jürgen Dusel wirft ein, dass es vielleicht für Bauherren noch mehr Regeln brauche, damit die Planer nicht in Erklärungsnot kommen, wenn sie anspruchsvoll barrierefrei planen möchten. Vor allem aber – so sein Schlusswort – darf Barrierefreiheit nicht mehr negativ konnotiert sein, sondern muss „sexy“ werden.

 
 

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