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4-1 Chancen am Markt

Workshop 4.1: Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen – Wie steinig ist der Weg zum Erfolg im Ausland?

Auf dem Panel:
Jette Hopp, Snøhetta, Lars Krückeberg, GRAFT, Prof. Roland Dieterle, spatial solutions, Robert Ivy, American Institute of Architects

Moderator:
Prof. Ralf Niebergall, Vizepräsident Bundesarchitektenkammer

Essenz:

  • Wer einen Markt im Ausland erschließen will, der muss viel zuhören, hinsehen und verstehen.
  • Selber vor Ort sein oder dort einen starken Partner haben.
  • Als Architekt sollte man eine eigene kulturelle Agenda haben und diese im Ausland leidenschaftlich vertreten.
  • Architekten wünschen sich mehr Unterstützung der Bundesregierung dabei, deutsche Architekturbüros im Ausland zu vernetzen und bei Kooperationen zu unterstützen und so ihre Schlagkraft auf dem internationalen Markt zu erhöhen.

Bericht:
Auf dem von BAK-Vizepräsidenten Prof. Ralf Niebergall moderierten NAX-Panel „Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen – Wie steinig ist der Weg zum Erfolg im Ausland“ beim Deutschen Architektentag 2019 im bcc Berlin diskutierten Jette Hopp (Snøhetta), Lars Krückeberg (GRAFT), Prof. Roland Dieterle (spatial solutions) und Robert Ivy (American Institute of Architects ) über die Herausforderungen und Hürden, die es für Planer beim Gang ins Ausland zu bewältigen gibt und teilten lehrreiche Erfahrungen, die sie während ihrer Karriere in diesem Zusammenhang gemacht haben. Jette Hopp berichtete beispielsweise, dass Snøhetta sehr selten Projekte abbreche, aber durchaus des Öfteren gar nicht erst beginne, wenn beispielsweise die Recherchen zu einem ausländischen Markt unbefriedigende Ergebnisse erbracht hätten. Sollte es jedoch zu langfristigen Auslandsengagements mit größerem Bauvolumen kommen, sei es Snøhettas Strategie auch im Ausland mit einer Repräsentanz vor Ort zu sein. Dies helfe kulturelle und sprachliche Barrieren abzubauen. Lars Krückeberg vom Berliner Büro GRAFT berichtete von den untypischen Anfängen seines Unternehmens: Gegründet in den USA, eröffneten GRAFT bald eine zweite Niederlassung in China und realisierte dort ebenfalls sehr erfolgreich Projekte, bevor sie schließlich nach Deutschland zurückkehrten. GRAFT machten im Fernen Osten nicht nur positive Erfahrungen: Vor allem die fehlende Rechtssicherheit gegenüber chinesischen Partnern bekamen die Berliner Architekten zu spüren, nachdem sie eine Klage gegen einen lokalen Bauherrn in China verloren, der, so Krückeberg, GRAFTS Designs unerlaubt verwendet hatte. Auch Prof. Roland Dieterle, Inhaber und Geschäftsführer des Münchner Büros spatial solutions nutzten seine „wasserdichten Verträge“ mit dem ruandischen Staat letztlich wenig: Nach einer 12-jährigen Bauzeit des Kigali Convention Centers wurden er und seine Planer durch ein türkisches Design and Build-Unternehmen ersetzt, das den Bau des Kongresszentrum nach Dieterles Design zu Ende führte. Beide Planer waren sich einig: Als deutscher Architekt habe man zwar den Anspruch auch im Ausland eine hohe Qualität sicherzustellen, doch die Entscheidungen darüber würden einem manchmal aus der Hand genommen. Dieterle rät Architekten und Ingenieuren daher, bei Aufträgen mit bauleitenden Tätigkeiten im Ausland Vorsicht walten zu lassen. Er selbst präferiere bei  internationalen Projekten mittlerweile reine Entwurfs- und Beratungsleistungen. Jette Hopp hingegen vertrat den starken Standpunkt, dass man als Architekt eine kulturelle Agenda haben und diese auch im Ausland in allen Leistungsphasen vertreten müsse. Krückeberg fügte hinzu, wer den Schritt in den internationalen Markt mache, sollte im Vorhinein viel zuhören, verstehen und bereit sein, sich an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Am besten sei es, so viel wie möglich selbst vor Ort zu sein oder aber einen starken lokalen Partner zu haben. Robert Ivy, CEO des American Institute of Architects, berichtete, dass die staatliche Unterstützung beim Export von Planerleistungen in den USA  zu wünschen übrig lasse. Zudem sei es für ausländische Architekten sehr schwer, beruflich Fuß in den USA zu fassen, da die Lizensierungsbehörden fast ausschließlich Abschlüsse von nationalen Universitäten anerkennen würden. Ähnlich dem deutschen Föderalismusprinzip sei es auch für einen in Kalifornien registrierten Architekten nicht möglich, Bauanträge in Washington einzureichen. Diese Hürden würden derzeit jedoch kontrovers diskutiert. Dieterle und Krückeberg sprachen sich auch für mehr Unterstützung durch die deutsche Regierung für Planer aus, die bereits im Ausland aktiv seien. Europäischen Firmen müsse die Zusammenarbeit erleichtert werden, um ihre Schlagkraft international zu erhöhen.

 
 

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