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7-3 BIM als Standard

Panel 7.3: BIM als Standard – Hilfe oder Überforderung?

Auf dem Panel:
Dr. Ilka May, LocLab Consultin, Florian Urban Geddert, plus 4930 Architektur Sierig Geddert Krüge, Ministerialdirigent Ralf Poss, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Harry Ibbs, Gensler

Moderation:
Isabella Göring, Akademie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen

Essenz: Für die Implementierung von BIM in kleinen wie großen Büros fordern Architektinnen und Architekten von der Politik:

  • Eine einheitliche Strategie mit offenen Schnittstellen.
  • BIM-Ausbildungen in den Universitäten.
  • Verbindliche Standrads
  • Lösungen für Datenschutz, Datensicherheit und Vertragsangelegenheiten

Bericht:
Impuls von Ilka May (LocLabConsulting): am Beispiel Großbritanniens - was ist die nationale politische Strategie in der BIM-Einführung? Dabei wird offensichtlich: Es werden die gleichen Diskussionen wie vor vier Jahren geführt, nur mit mehr Beteiligten. Alle wollen Lösungen generieren, aber keiner fragt mehr, für welche Probleme eigentlich. Innerhalb der Wertschöpfungskette Bau hat vor allem die Lieferkette keine politische Unterstützung.

Ralf Poss (BMI) erläutert die deutsche Strategie. BMI und BMVI haben kürzlich das Nationale BIM-Kompetenzzentrum ins Leben gerufen. Aufgaben sind der Aufbau eines zentralen BIM-Portals, die Durchführung von Beratungen und Schulungen und die Entwicklung einer BIM-Strategie für den Bundesbau.

Florian Urban Geddert (plus 4930) erläutert die Perspektive des mit BIM arbeitenden Architekturbüros: Das 3D-Modell sei vor allem ein Tool zum Datenmanagement, das – von der öffentlichen Hand und von der Industrie kommend – allmählich in die Büros einzieht. Möglich sei nun auch, aus der Nutzung eines Gebäudes Daten zu ziehen und für die Planung produktiv zu machen. ZU beachten sei bei der BIM-Einführung, dass BIM nicht die Arbeit der Architekten einschränke und von politischer Seite openBIM gefördert werden solle.

Harry Ibbs, Digitalisierungsexperte bei Gensler Architects, fügt den Ausführungen von Frau May hinzu, dass die Digitalisierung auch in Großbritannien zunächst vom öffentlichen Sektor forciert wurde und erst dann der private Sektor hinzukam. In den Büros, in denen er gearbeitet habe, hätte man in der Suche nach Lösungen vor allem auf die Softwarelösungen und Datenplattformen aus anderen Industriezweigen (etwa der Raumfahrt) geschaut. Frau May ergänzt, dass man auch nicht immer alles neu erfinden brauche. In der Normung etwa gäbe es in der Frage nach Interoperability und verlustfreiem Austausch (ISO 16739 IFC) Lösungen aus anderen Bereichen, die man durchaus nutzen könne (ISO 15926 Datenintegration der Öl- und Gasindustrie).

Herr Geddert wünscht sich, dass die Politik stärker an Case Studies und Leuchtturmprojekten arbeitet, an denen sich Architekturbüros orientieren können. Genau dies sei bereits geschehen bzw. werde weiter verfolgt durch das Nationale Kompetenzzentrum, so Herr Poss. Das Kompetenzzentrum wolle vor allem eine Motivation zur BIM-Implementierung schaffen, einheitliche Standards und Regelwerke entwickeln. Gerade für die Architektenvergütung (Stichwort HOAI 4.0) sei dies besonders wichtig, so Geddert.

Aus dem Publikum meldet sich Dr. Kraushaar (AK Hessen) und ergänzt die Bedeutung des Daten- und Urheberrechtsschutzes angesichts der umfangreichen Digitalisierung von Plänen und Entwürfen im Architekturbüro. Zum Stichwort Datensicherheit ergänzt Frau May, dass die Datenschutz- und Datensicherheitsprobleme bereits dann beginnen, wenn die Daten in die Lieferkette übergehen. In der Debatte, welche (politischen) Maßnahmen eine erfolgreiche BIM-Einführung brauche, fügt Herr Ibbs hinzu, dass es so gut wie keine Ausbildung in der BIM-Methode an den Hochschulen gebe. Herr Poss schließt die Runde mit dem Hinweis, dass es zur Digitalisierung der Baubranche auch die Digitalisierung der Verwaltungsstrukturen bzw. der öffentlichen Hand brauche. Auch hier müsse noch einiges getan werden.

Fazit: Für die Implementierung von BIM in kleinen wie großen Büros fordern wir Architekten von der Politik: eine einheitliche Strategie, offene Schnittstellen, BIM-Ausbildungen in den Universitäten, verbindliche Standards sowie Lösungen für Datenschutz, Datensicherheit und Vertragsangelegenheiten.

 
 

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