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8-2 Faire Vergabe

WS 8.2: Faire Vergabe

In der Werkstatt:
Dr. Matthias Fuchs, EE Concept GmbH, Norbert Portz, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin BAK, Dr. Thomas Solbach, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Moderation:
Jan Buchholz, Deutsches Vergabenetzwerk

Essenz: Für eine faire Vergabe von Planungsleistungen ist zu beachten:

  • Keine überzogenen Eignungskriterien stellen
  • Vergabe der Planungsleistungen im Leistungswettbewerb und nicht nach Preis
  • Auf Nachhaltigkeit der Planungsentwürfe achten
  • Qualifizierung der an der Vergabe Beteiligten für eine gute Vergabekultur

Forderung: „Macht mehr Planungswettbewerbe!“

  • für den öffentlichen Auftraggebenden, weil es wirtschaftlich ist.
  • für die Öffentlichkeit, weil sie der Erhaltung und Stärkung der Baukultur dienen.
  • für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zum Wohle zukünftiger Generationen.

Bericht:
Die Werkstatt begann mit der Einstiegsfrage, was für die Referierenden „fair“ in Bezug auf die Vergabe bedeutet. Für Barbara Ettinger-Brinckmann bedeutet das, die Eignungskriterien so zu fassen, dass nicht von vornherein Teilnehmende ausgeschlossen werden. Dr. Matthias Fuchs weist darauf hin, dass das Kriterium Nachhaltigkeit in allen Planungswettbewerben enthalten sein solle. Für Dr. Thomas Solbach ist die Vergabe dann fair, wenn die Grundsätze der Wettbewerblichkeit und Chancengleichheit beachtet werden. Norbert Portz betont den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und dessen Beachtung.

Einig sind sich alle Referierenden, dass die Eignungskriterien – wie in der VgV gesetzlich geregelt – auch in der Praxis so zu wählen sind, dass sie in einem angemessenen Verhältnis zum Vergabegegenstand stehen. Ebenso sollten die Planungsaufgaben im Leistungswettbewerb vergeben und generell mehr Wettbewerbe veranstaltet werden.

Barbara Ettinger-Brinckmann betont, dass sich die Architektenschaft klarere und straffere gesetzliche Regelungen dazu gewünscht hätte. Dr. Thomas Solbach stellt heraus, dass die Regelungen in der VgV im Vergleich zur VOF verstärkt wurden. Das Problem sei vielmehr darin zu verorten, dass diese Regelungen oft nicht in der Praxis umgesetzt werden und die Vergabegebenden teilweise nicht qualifiziert genug ausgebildet seien. Norbert Portz fügt hinzu, dass im Wettbewerb die Eignung der Bewerbenden erkennbar werde und sie daher nicht vorab mit überzogenen Eignungskriterien abgeprüft werden müsse. Zudem solle die Architektenschaft noch entschiedener bei Verstößen gegen die gesetzlichen Regelungen reagieren und dagegen vorgehen. Barbara Ettinger-Brinckmann weist auf das gerade im Rahmen einer Arbeitsgesellschaft geprüfte Rügerecht der Kammern in diesen Fällen hin.

Einigkeit besteht auch darin, dass mehr Planungswettbewerbe abgehalten werden sollten, weil sie für den öffentlichen Auftraggeber, die Öffentlichkeit und Nachhaltigkeit von Vorteil sind.

Barbara Ettinger-Brinckmann stellt klar, dass echte Wirtschaftlichkeit nur in einem Wettbewerb feststellbar sei. Das Planungshonorar macht nur 3 % der Lebenszykluskosten eines Gebäudes aus, die Planungsleistung hat aber zu 90 % Einfluss auf die Kosten. Der Wettbewerb zwinge zudem den Bauherrn dazu, im Vorfeld über das Bauprojekt nachzudenken. Dadurch werden die Weichen für die Wirtschaftlichkeit gestellt.

Dr. Matthias Fuchs weist darauf hin, dass schon jetzt die in Wettbewerben eingereichten Pläne dem Klimaziel von 2035 entsprechen müssten, da ansonsten die nach diesen Plänen errichteten Gebäude in der Zukunft schon nicht mehr klimaneutral seien, obwohl sie gerade erst wenige Jahre alt sind. Zudem ließen sich mit guten Entwurfsplänen 6-8 % der Baukosten einsparen.

 

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