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Speaker

Keynote-Speaker:

Prof. Dr. Rahel Jaeggi, Humboldt-Universität zu Berlin Die sozialphilosophische Keynote

© anjadescartesfire

Prof. Dr. Rahel Jaeggi

 

Rahel Jaeggi, geboren 1967 in Bern, ist Professorin für Praktische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit Februar 2018 ist sie hier auch Leiterin des Center for Humanities and Social Change. Ihre thematischen Schwerpunkte liegen in der Sozial- und Rechtsphilosophie sowie der politischen Philosophie und der philosophischen Ethik.

 

Reinier de Graf, OMA Rotterdam Die architekturphilosophische Keynote

© Adrienne Norman

Reinier de Graaf

 

Reinier de Graaf, geboren 1964, ist ein niederländischer Architekt, Architekturtheoretiker und Autor, der seit 1996 bei OMA in Rotterdam arbeitet. Dort ist er verantwortlich für den Bau und die Masterplanung von Projekten in Europa, Russland und dem Nahen Osten. Darunter „Holland Green“ in London und die „Norra Tornen“-Wohntürme in Stockholm (im Bau). Im Jahr 2002 war er Mitbegründer von AMO, dem Think Tank von OMA. Dort verantwortete er gesellschaftsrelevante Themen wie das nachhaltige und ressourcenschonende Bauen. Er kuratierte außerdem OMA-Ausstellungen wie „Public Works: Architecture by Civil Servants“ (Venedig 2012, Berlin 2013).

 

DAT-Referentinnen und Referenten in alphabetischer Reihenfolge

Hier werden wir sukzessive die am DAT Mitwirkenden mit kurzen Statements vorstellen.

 

Ayhan Ayrilmaz Panel 2.1: Ein Blick zurück – Was wird uns die Vergangenheit bringen?

© privat

 

Ein Blick – besser zwei - in die Vergangenheit ist bze. sind für jede Gesellschaft von großem Nutzen. Denn die Binsenweisheit, dass dieser Blick in die Vergangenheit für das Verständnis der Gegenwart unersetzlich ist und die Grundlage für die Gestaltung der Zukunft bildet, trifft auch – oder gar in besonderem Maße – auf baukulturelle Entwicklungen zu.

 

Daniela Billig, MdA Panel 3.2: Bildungsthema Architekturvermittlung – Wie gelingt Partizipation?

© Erik Marquardt

 

Berlin steht vor der spannenden und herausfordernden Aufgabe, die Stadt von morgen zu bauen. Bei der Planung von neuem Wohnraum muss die soziale Mischung, Umwelt- und Klimaschutz, ebenso wie die gesamte Palette an Infrastruktur, wie Kitas, Schulen, Jugend- und Familienzentren, Kultureinrichtungen und Grünflächen, mitgedacht werden. Es ist besonders wichtig, alle Veränderungen zusammen mit den vielen engagierten Bürger*innen zu diskutieren und mit ihnen an einer verträglichen und qualitativ hochwertigen Umsetzung zu arbeiten.

 

Heidrun Bluhm MdB Panel 5.1: Die richtige Mischung – Wem gehört der Boden?

© Heidrun Bluhm

 

“Die Tatsache, dass der Grund und Boden unvermehrbar und unentbehrlich ist, verbietet es, seine Nutzung dem unübersehbaren Spiel der freien Kräfte und dem Belieben des Einzelnen vollständig zu überlassen; eine gerechte Rechts- und Gesellschaftsordnung zwingt vielmehr dazu, die Interessen der Allgemeinheit beim Boden in weit stärkeren Maße zur Geltung zu bringen als bei anderen Vermögensgütern” (Urteil des BVerfG vom 12.01.1967). Öffentlicher Boden darf nicht länger privatisiert werden. Grund und Boden gehören in die öffentliche Hand. Das Primat einer am Allgemeinwohl orientierten Nutzung muss hergestellt werden und vor der Gewinnorientierung stehen. Die Besonderheit des Bodens zwingt zur Marktregulierung.

 

Prof. Ulrike Böhm Panel 5.2: Wohnungsbau – Wie funktioniert städtische Nachverdichtung?

© Lichtschwärmer, Christo Libuda

 

Mit dem Zuzug in unsere Städte verstärkt sich der Nutzungsdruck auf öffentliche Freiräume und Erholungsflächen. Angesichts einer höheren Bebauungsdichte erwarten alte und neue BewohnerInnen aber auch angemessen zugeschnittene Freiflächenangebote - zur Erholung und Freizeit, insbesondere aber auch zur Milderung der Klimaextreme. Künftig soll eine ‚doppelte Innenentwicklung’ diese flächenmäßig gegenläufige Entwicklung ausgleichen. Reicht dieser Ansatz wirklich aus, um die verbliebenen Freiflächen qualitätvoll und funktionsgerecht zu gestalten?

 

Jan Buchholz DAT-Werkstatt 2: Faire Vergabe von Architektenleistungen und Planungswettbewerben

© Jörg Klaus

 

Die Herausforderungen und Bedeutung der Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen im öffentlichen Sektor ist dem DVNW seit vielen Jahren bekannt. Insbesondere mit dem jährlich stattfindenden Bau-Vergabetag haben wir unsere Bemühungen in Zusammenarbeit mit der BAK und anderen Partnern intensiviert, um als Netzwerk einen offenen Diskurs zu den wichtigen Fragen dieses Themenfeldes zu organisieren. Die Themenspanne reicht von der Marktsituation, der Wahl des Vergabeverfahrens, den Eignungs- und Wertungskriterien bis zu Vergütungs- und Vertragsfragestellungen. Zudem erfolgt eine regelmäßige Berichterstattung im Vergabeblog und ein eigener Fachausschuss „Freiberufliche Leistungen“ im Mitgliedernetzwerk unterstreicht die Bedeutung zusätzlich.

 

Prof. Dr. Felix Creutzig Panel 6.1: Zwei-Grad-Ziel – Kann denn bauen Sünde sein?

© MCC Berlin

 

Nicht alle Lösungen funktionieren überall, aber überall gibt es eine Lösung.

 

Angelika Cummerow DAT-Werkstatt 1: Architektinnen Startups – Entwicklung von Business-ideen für Architektinnen in jeder Berufsphase

© privat

 

Ob Gründung oder Neuorientierung – Wir, Gönül Nar (Businesscoach) und Angelika Cummerow (Architektin),  arbeiten seit Jahren mit Frauen im Bereich der Existenzgründung. Wir wollen unsere Erfahrung und unser Wissen an Frauen weitergeben und sie ermutigen diesen Schritt zu gehen. Im Workshop von n-ails (Berliner Netzwerk von Planerinnen e.V) werden spielerisch Geschäftsideen entwickelt und von fiktiven Investorinnen bewertet. Was sind meine beruflichen Träume?  Wer ist meine Zielgruppe? Wie akquiriere und wie finanziere ich? Impulsvorträge und Unterstützung kommen von der Startup-Gründerin Viviane Hülsmeier sowie Businesscoach Gönül Nar und Angelika Cummerow, beide  von economista e.V.

 

Sabine Djahanschah, Deutsche Bundesstiftung Umwelt Panel 6.1: Zwei-Grad-Ziel – Kann denn Bauen Sünde sein?

© Sabine Djahanschah

 

Aufgrund der weltweiten Bautätigkeit im Zuge der Urbanisierung wird nicht nur die Frage der energetischen Versorgung, sondern auch die Verteilung unserer stofflichen Ressourcen zur Errichtung von Gebäuden und den dazugehörigen Infrastrukturen die Architektur bestimmen. Darüber hinaus beeinflussen gebaute Räume unsere Lebensstile und befördern oder verhindern notwendige Transformationsprozesse der Gesellschaft. Gerade in Zeiten erheblicher Bautätigkeit sollte das gestalterische und zukunftsfähige Potential unserer gebauten Umwelt deutlich vor kurzfristigen Renditeerwartungen rangieren und in intelligente architektonische Lösungen investiert werden.

 

Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der BAK Panel: 4.2 Weibliche Führung – Wer entscheidet in der Planung?

© Christian Kruppa, Berlin

 

Der Deutsche Architektentag ist die zentrale berufspolitische Veranstaltung für alle deutschen Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner. An diesem Tag beleuchten wir die Handlungsspielräume und die Verantwortung der Architekten und Stadtplaner für die Qualität, den sozialen Zusammenhalt und die Nachhaltigkeit unserer gebauten Lebensräume beleuchten. Unser Ziel ist es, den Tag für alle Teilnehmer so zu gestalten, dass er als horizonterweiterndes Erlebnis nicht nur neue Anstöße gibt, sondern auch in Erinnerung bleibt. In mehreren Themenräumen werden wir Diskussionen zu relevanten Themen wie Digitalisierung, Wohnungsbau und Stadtplanung, Generationenfrage, Partizipation, Architektur-Kommunikation und den Wert von Planungsleistung anbieten.

 

Stefan Forster Panel 5.1: Die richtige Mischung – Wem gehört der Boden?

© Lisa Farkas

 

Die Spekulation mit Grund und Boden hat sich in den letzten Jahren zu einem Haupttreiber steigender Wohnungs- und Mietpreise entwickelt. Nicht nur das: Grundstücke werden mit Blick auf zukünftig erwartbare Wertsteigerungen gar nicht erst bebaut, obwohl die Flächen dringend benötigt werden. Spekulation heißt letztlich leistungsfreier Wertzuwachs für die Eigentümer. Der Staat muss diese Gewinne abgeschöpfen und der Allgemeinheit, sprich den Kommunen, zugeführen. Städtische Liegenschaften sollten zudem nur noch in Erbpacht an die kommunale Wohnungswirtschaft vergeben werden. Nur so kann die soziale Offenheit unserer Quartiere langfristig gesichert und effektiv Einfluss auf die Stadtentwicklung genommen werden.

 

Prof. Dr. Heiko Fuchs DAT-Werkstatt 3: Vergütung und Haftung

© Kapellmann / Fotograf Jochen Rolfes

 

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Vergütung von und die Haftung für Architektenleistungen befinden sich aktuell im Umbruch. Eine qualitätiv hochwertige Planungsleistung setzt eine faire Vergütung voraus. Wie kann diese außerhalb des europarechtlich unter Beschuss stehenden verbindlichen Preisrechts der HOAI gewährleistet werden? Und wie kann die ausufernde Haftung der Architekten auf ein vernünftiges Maß begrenzt werden, insbesondere im Bereich der Kosten- und Terminplanung sowie der Objektüberwachung? Bietet das neue Vertragsrecht im BGB hier Hilfestellung oder sind Gesetzgeber und Rechtsprechung gefragt?

 

Dr. Matthias Fuchs, ee concept gmbh DAT-Werkstatt 2: Faire Vergabe

© ee concept gmbh

 

Baukultur und Nachhaltigkeit sind weder eine Tautologie noch stehen sie in einem Widerspruch zueinander. Vielmehr gilt es an den Schnittstellen die bisher unbearbeiteten architektonischen und gestalterischen Potenziale zu lokalisieren und zu nutzen. In der gängigen Wettbewerbspraxis sind Nachhaltigkeitsaspekte jedoch kaum entscheidend oder werden oftmals additiv betrachtet. Die Bedeutung und Wirkkraft des Entwurfs, als Beitrag zum nachhaltigen Bauen, ist noch längst nicht ausgeschöpft.

 

Andrea Gebhard Panel 6.1: Zwei-Grad-Ziel – Kann denn bauen Sünde sein?

© privat

 

Boden ist ein nicht vermehrbares Gut. Seine Überbauung und Versiegelung sind in der Regel irreversibel. Die kostbaren Flächen werden verbraucht statt sinnvoll genutzt. Werden Städte weiter so gebaut wie bisher wird das Klimaziel von max. 2 Grad nicht erreicht. Klimafreundliche Stadtplanung ist der Schlüssel dazu. Sehr wichtig für die Stadtentwicklung ist die Frage der Nachverdichtung, die doppelte Innenentwicklung in bebauten Quartieren. Dabei stellen die Landschaft und der Freiraum die Basis der Raumentwicklung dar.

 

Michael Grausam, humantektur Panel 1.3: Entwicklung und Partnerschaft – Wie sieht internationale Hilfe aus?

© humantektur

 

Partner*innen im Globalen Süden sind die zentralen Akteure. Entwicklungszusammenarbeit sollte nicht nur im gegenseitigen, sondern im allseitigen Austausch mit und zwischen lokalen und internationalen Partner*innen erfolgen, um voneinander zu lernen. Es gilt, eine Entwicklung hin zu dauerhafter Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu fördern: Kooperationspartner*innen formulieren selbst ihre Bedarfe und entwickeln (bauliche) Lösungen. Sie werden hierbei bedarfsabhängig unterstützt. Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die an den jeweiligen Kontext angepasst sind und die Partner*innen in ihrer Arbeit unterstützen und nicht zusätzlich belasten.

 

Matthew Griffin, Deadline Architekten Panel 4.3: Kooperation – Erfolg durch Solidarität?

© Ralf Hiemisch

 

Für das Projekt Frizz23 haben wir ein kooperatives qualifizierendes Planungsverfahren entwickelt, während dessen Verlauf wir über 18 Monate in vier Workshops intensiv mit den Architekten der zwei benachbarten Baufelder kooperiert haben. Alle drei Projekte erreichten so im kontinuierlichen Dialog mit den Nachbarn, dem Bezirk und dem Senat die qualitativ hochwertige Architektur, die dem zentralen Ort und den innovativen Projektentwicklungen bestmöglich gerecht wird.

 

Roland Gruber, nonconform Panel 1.1: Urbanität und Demokratie – Wie lassen sich Vorgaben ändern?

© Lars Landmann

 

„Beim Bauen muss sich mehr bewegen als nur die Baumaschinen“, brachte es ein Bürgermeister auf den Punkt. Was vordergründig als Bauaufgabe gesehen wird, kann sich sehr rasch zu einem von den Bürgern getragenen Prozess entwickeln, der durch seinen umfassenden Betrachtungs- und Problemlösungsansatz sämtliche essenziellen kommunalen Belange umfasst. Denn Baukultur wirkt als Katalysator und sorgt für eine beispiellose Dynamik. Deshalb ist es sinnvoll, die Bürgerschaft vom ersten Akt der Ideenfindung bis zur konkreten Umsetzung als Experten für den eigenen Ort aktiv in die räumliche Veränderungsarbeit einzubeziehen. Sie kennen ihre Gemeinde oder Stadt am besten und haben vielfach sehr gute und zukunftsweisende Ideen, die eine wesentliche Basis für nachhaltige Lösungen und breite Akzeptanz vor Ort sind. Für erfolgreiche Beteiligungsprozesse sind nonkonforme Formate zu entwickeln, wie mit der Bevölkerung gearbeitet werden kann. Die klassische Abendveranstaltung mit Flipchart im Kultursaal und Brötchen mit Majonäse als Ausklang ist ein Auslaufmodell. Sie lockt heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen bzw. vom TV oder Tablet hervor. Es braucht echte Wertschätzung der Bürgerbeteiligung in einer lustvollen und spannenden Atmosphäre. Der gemeinschaftliche Ideenfindungsakt in der Folge soll transparent, prozesshaft und gemeinschaftlich erfolgen. Er muss kurzweilig, spannend und offen sein, damit ernsthaft mitgewirkt werden kann.

 

Prof. Martin Haas, BDA Panel 6.2: Lang nutze das Haus – Noch zu retten oder weg damit?

© FREDERIK LAUX PHOTOGRAPHY

 

Es gibt in Deutschland einen großen Gestaltungswillen zum nachhaltigen Bauen. Wir mussen aber noch ambitionierter und mutiger werden, um mit unseren Gebäuden einen signifikanten Beitrag zur Reduktion der CO₂-Emissionen zu leisten. Mit Alnatura hatten wir einen Bauherren, der diesen Mut bewiesen hat.

 

Anna Heringer Panel 1.3: Entwicklung und Partnerschaft – Wie sieht internationale Hilfe aus?

© Nina Rettenbacher

 

Bei jeder Entwicklungsarbeit muss man kritisch hinterfragen: wem nützt sie wirklich? Allzu oft fließen die Gelder wieder zurück ins Ausland, werden Abhängigkeiten geschaffen. Mir ist vor allem wichtig, lokale Potenziale zu veredeln, Vertrauen aufzubauen, in das vor Ort Verfügbare und Wissenshorizonte zu erweitern.

 

Jette Cathrin Hopp Panel 4.1: Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen – Wie steinig ist der Weg zum Erfolg im Ausland?

© Pepe Lange

 

Die Rolle der Architektur besteht darin, starke und nachhaltige Identitäten für Städte und ihre Bewohner zu schaffen. Bewusste Gestaltung kann dazu beitragen, dass die Dinge flüssiger laufen, das Wohlbefinden der Menschen verbessert und die Lebensqualität gehoben wird. Jedes Projekt ist ein einzigartiger Ausdruck des Ethos seiner Nutzer, des Klimas und des Kontexts. Eine gebaute Umwelt kann als Ausgangspunkt gesehen werden: Sie ist der Ort, an dem die Architektur zu kommunizieren beginnt, der Ort, an dem die Interaktion mit der Öffentlichkeit und ihren Nutzern anfängt.

 

Britta Jürgens, Deadline Architekten Panel 3.2: Bildungsthema Architekturvermittlung – Wie gelingt Partizipation?

© Ralf Hiemisch

 

Parttizipation gelingt, wenn engagierte Bürgerinnen und Bürger als die treibenden Kräfte für eine zeitgemäße Stadtentwicklung anerkannt und ernstgenommen werden. Die Stadt muss Strukturen schaffen, die Teilhabe auf allen Ebenen ermöglicht: Mitbestimmen, Mitmachen, Mitbesitzen!

 

Prof. Sabine Keggenhoff Panel 4.2: Weibliche Führung – Wer entscheidet in der Planung?

© Marcel Schwickerath

 

Die Situation der Frauen in der Planung wirft Fragen auf: Nur 34 Prozent der Mitglieder in den Architektenkammern ist weiblich und nur 10 Prozent arbeiten in der Führungsebene mittlerer und großer Architekturbüros. Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Studierenden Frauen sind. Diese Lücke wird hier nicht nur diskutiert. Die vier Referentinnen halten alle eine Führungsposition inne und sprechen als Rollenvorbilder für Frauen, die mit dem Gedanken spielen, selber in die Führungsebene zu gehen.

 

Nils Krause Panel 7.3: BIM als Standard – Hilfe oder Überforderung?

© Jürgen Pollack

 

Von jeher hat der Mensch seine Welt und ihre Teile als Abstraktion dargestellt. Aber diese konnte nicht immer von allen gelesen werden. BIM ist ein machtvoller Meilenstein, auf dem Weg der Ermächtigung, damit Verständigung über Raum und Bau für alle gleichzeitig und in guter Abstimmung gelingt. Erstmals entsteht, zum physikalischen auch ein föderativ erzeugtes, virtuelles, informiertes Modell, von dem jetzt schon absehbar ist, dass es unabdingbarer und wertbringender Teil des digitalen Kontextes von Gebautem sein wird. Ihr partizipativer Imperativ, und ihre Sehnsucht, Verschwendung aus dem Weg zu gehen, machen die BIM-Planungsmethode für uns hoch attraktiv.

 

Sandra Krinner, Sandra Krinner Architektur Panel 1.2: Leitbild Europäische Stadt – Was bewirken die Davoser Erlärung oder die Leipzig Charta 2.0?

© Ortwin Klipp

 

Zur Frage, wie die Merkmale einer europäischen Stadt aussehen, möchte ich an eine Aussage von Theodor Heuss erinnern. Er sagt – sinngemäß, dass Europa auf drei Hügeln gegründet sei. Die Akropolis stehe dabei für die menschliche Vernunft und Demokratie – das Capitol für Rechtsstaatlichkeit und der Golgatha Hügel für die Freiheit im Glauben. So möchte ich den traditionellen Ansatz verfolgen, dass unsere europäischen Städte um Marktplatz als Zentrum des Austauschs gegründet wurden und sich dort Sakralbauten/Wirtshäuser/Geschäftshäuser/Wohnhäuser basierend auf der Grundlage der 3 Hügel entwickeln, demagogisch wachsend aus dem Brauchtum der lokalen Bevölkerung, jedoch europäisch fundiert. Baukultur fördern, wie es die Davoser Erklärung vorschlägt, findet sicherlich einen sinnvollen Ausgangspunkt in dieser traditionell gewachsenen Stadtstruktur, dessen Kerne wir vielleicht in letzten Jahrzehnten durch Globalisierung und Vereinheitlichung aus den Augen verloren haben. So ist beispielsweise der Historismus gerade in Süddeutschen Raum am Aufleben. Es ist eine Stilrichtung, die wir als Architekten eher in Frage stellen, jedoch hat der Historismus eine unverkennbare Stärke. Diese liegt in der Handwerkskunst. Handwerkskunst definiert Baukultur und lokale Tradition, einer bestimmten Region in Authentizität zuordnungsbar.

 

Prof. Dr. Cordula Kropp, Universität Stuttgart Panel 7.1: KI und Architektur – Was können Maschinen schon alleine?

© Uli Regenscheit

 

Automatisierungsprozesse im Baubereich gehen mit neuen Formen verteilter Kontrolle einher, in deren Rahmen die Koordination und Ausführung einzelner Bauprozesse gemeinsam von Menschen, Maschinen, Programmen, Robotern und Sensoren übernommen wird. Dadurch eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten für ein nachhaltiges Bauen in neuartigen Arbeits- und Organisationsformen, die Unternehmen, Leistungsphasen, Planungshorizonte und Bauroutinen übergreifen. Zugleich entstehen jedoch auch neuartige Risiken der Steuerung und langfristigen Qualitätssicherung. Zudem ist noch nicht absehbar, ob die digitale Baukultur die entstehenden Kreativitäts-, Effizienz und Flexibilisierungspotenziale aufgreifen kann oder ob fehlende Kompetenzen, einseitige Softwarestandards, Machtkonzentrationen oder Ressourcenprobleme flexiblen und individuellen Lösungen entgegenstehen. Ob sich der Einsatz von KI in der Baubranche für die Beschäftigten, die zukünftigen Bewohner/innen und die gebaute Umwelt als Fluch oder Segen erweist, hängt wesentlich von der erfolgreichen Entwicklung einer Arbeitskultur mit entsprechenden digitalen Kompetenzen ab. Sie müssen dazu beitragen, menschliche und maschinelle Intelligenz zu integrieren und die notwendigen Fähigkeiten für zukunftsfähige Bauprozesse zu verbessern und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

 

Chris Kühn MdB Panel 6.2: Lang nutze das Haus – Noch zu retten oder weg damit?

© Rainer Kurzeder

 

Wir brauchen die Bauwende: Weg vom ressourcenintensiven, hin zum ressourcenleichten Bauen. Bauen mit Holz und aus Recyclingbaustoffen, Umnutzung von Gebäuden, modulares Planen und Bauen, Leichtbauweise - das ist die Zukunft. Es ist die Herausforderung für die Politik hierfür den rechtlichen und Förderrahmen so zu setzen, dass wir hier den Durchbruch schaffen. Die UN hat gerade einen Bericht zur globalen Sandknappheit vorgelegt, der klar macht: Beton, Stahl und Glas sind nicht die Zukunft. Und auch die Klimakrise erzwingt die Bauwende. Wir brauchen ein wirksames Gebäudeenergie- bzw. Gebäuderessourcengesetz.

 

Prof. Arno Lederer, LRO Lederer Ragnarsdottir Oei Panel 3.2: Gesellschaftliche Relevanz – Was bringen uns Diskurs und Kritik?

© Klaus Mellenthin

 

Es gibt gute und schlechte Kritiker*innen, wie es gute und schlechte Architekt*innen gibt. Dass sich die Kritik irrt, oder eventuell gar nichts, wie Georg Kreisler singt, von der Sache versteht, ist für diejenigen, die es trifft, oft eine Ausrede. Selbst wenn sie nicht wirklich viel von Architektur versteht (was selten der Fall sein dürfte), so äußert sie ihr Missfallen oder ihren Zuspruch über ein Objekt, das man, wie gerne zitiert wird, nicht wie ein Bild einfach abhängen kann. Architektur, ob das einzelne Gebäude, das Quartier oder die Stadt, hat eine gesellschaftliche Aufgabe. Deshalb braucht es ein urteilendes Gegenüber, das die Sprache der Architektur versteht und diese in die Sprache der Menschen, die in ihr leben, zu übersetzen weiß.  

 

Monika Lepel, Lepel & Lepel Architekt Innenarchitektin 7.2. Im Jahre 2030 – Wie gestaltet sich die Zukunft unserer Arbeitswelt?

© Malik

 

Menschliche Arbeit wird zukünftig vor allem in einer auf Beziehungen ausgerichteten Ökonomie und in der Entwicklung von Technologien eine Rolle spielen. Gestaltende Menschen - nicht Hierarchien – werden den Unterschied machen. Durch Digitalisierung steht weniger das „Wie“ sondern mehr das „Warum“ zur Debatte. Die Fähigkeit auszuwählen, zu entscheiden und umfassend zu beraten, wird in der Ära der Überinformiertheit den Unterschied machen. Freiheit, Souveränität und Empathie sind die Kernkompetenzen in 2030.

 

Prof. Christoph Mäckler, Mäckler Architekten, Deutsches Institut für Stadtbaukunst Panel 6.2: Lang nutze das Haus - Noch zu retten oder weg damit?

© Thorsten Jansen

 

Die Geschichtsfähigkeit der Stadt und die Möglichkeit für ihre Bewohner, sich dort heimisch zu fühlen, kann nur entstehen, wenn dauerhafte Konstruktionen und alterungsfähige Materialen eine langfristige Haltbarkeit ermöglichen. Kein Wärmedämmverbundsystem und keine Klapperkonstruktionen, sondern massiv gemauerte Wände, die auch im Umbau anschlussfähig sind: Das ist nicht konservativ, sondern Avantgarde.

 

Dr. Ilka May Panel 7.3: BIM als Standard – Hilfe oder Überforderung?

© arts4pr

 

Voraussetzung für die positive Nutzung von BIM ist die Beachtung folgender Prämissen: BIM braucht Zeit. BIM braucht Ressourcen. BIM braucht Akzeptanz. Die Digitalisierung eines ganzen Industriesektors braucht eine politische Führung, die über Partikularinteressen steht und eine Vision vertritt, die über eine Legislaturperiode hinausgeht. Der Sektor Bau braucht keine „BIMCloud“ und kein Kompetenzzentrum, sondern einen strategischen und gezielten Aufbau von Kapazitäten im Umgang mit Daten und digitalen Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

 

Dr. Hannes Mayer Panel 7.1: KI und Architektur – Was können Maschinen schon alleine?

© Gramazio Kohler Research, ETH Zürich

 

Als Architekten und Forschende entwickeln wir digitale Prozesse und Maschinen. Wir beschränken uns nicht auf die Anwendung. Entsprechend sehen wir sie als Ergebnis einer kollektiven Anstrengung und keineswegs als autonome Apparaturen.

Würden wir als Architekten hoffen, dass sich die Architektur in Zukunft von Maschinen alleine machen lässt?

 

Jürgen Mayer H. Panel 2.2: Architektonische Identität – In welchem Stile wollen wir bauen?

© Tom Wagner

 

BEIGE ist das Grundrauschen unserer zeitgenössischen Architektur, und das ganz unabhängig vom Formenvokabular der Gebäude. Auch scheint jede Nutzung damit gut eingehülltzu sein: Rathäuser und Sporthallen, Museen und Wohnhäuser, Labore und Universitäten, Hochhäuser und Lagerhallen. Farbe in der Architektur ist immer ein schwieriges Thema. Nur der naturbelassene Zustand der Materialien umgeht das Dilemma der Farbe, und es gibt nur eine Farbe, die die freundliche und unaufdringliche Beschaffenheit der Natur aufweist: BEIGE. Nach allgemeiner Auffassung kann man mit BEIGE nichts falsch machen, es passt zu allem. BEIGE erlaubt Vielfalt und Dialog in der gegenwärtigen gebauten Umwelt. Der kleinste gemeinsame Nenner BEIGE wird zum größten Verbündeten für eine Diversität, der eine Nachbarschaft unterschiedlicher (Architektur-)Sprachen freundlich gestaltet und dadurch für die Pluralität unserer Lebensmodelle die jeweils adäquaten Bauten ermöglicht. BEIGE ist die Farbe des Einvernehmens.

 

Claudia Meixner, Meixner Schlüter Wendt Architekten Panel 2.3: Zwischen Haltung und Zwängen – Wie bleiben Planer unabhängig?

© Meixner Schlüter Wendt

 

In Deutschland wird der Wert von Architektur unterschätzt. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Dass sich das ändert. Das kann durch Kommunikation und vor allem durch begeisternde Projekte gelingen. Dafür brauchen wir mehr Mut von allen Beteiligten.

 

Dr. Martin Memmel Panel 7.1: KI und Architektur – Was können Maschinen schon alleine?

© Dr. Martin Memmel

 

KI ist besonders stark, wo klar formalisierbare Prozesse, Regeln und Ziele vorherrschen. Planungsprozesse sind in vielen Aspekten jedoch hochindividuell. Kann KI hier kreativ und innovativ genug sein und der Verantwortung für Menschen gerecht werden? Bleibt die Freiheit der Planer erhalten? These: KI ist besonders für Recherche und Simulation sehr relevant und kann so assistieren, dass Planer sich auf kreative und verantwortungsvolle Tätigkeiten fokussieren können. Und auch dort kann KI helfen.

 

Prof. Lamia Messari-Becker Panel 6.2: Lang nutze das Haus – Noch zu retten oder weg damit?

© © J. Schmitz, polis magazin for urban development

 

Menschen identifizieren sich mit ihrer gebauten Umwelt nur dann, wenn sie schön, sozialstabil und lebenswert ist. Kluge Stadtplanung und qualitätsvolle Baukultur stiften Identität. Deutschland ist gebaut, die Stadt von morgen ist der Bestand. Alle Maßnahmen gegen den Klimawandel, für mehr Nachhaltigkeit und mehr soziale und lebendige Räume können uns nur gelingen, wenn wir in der Lage sind, sozialverträgliche und gesamt-ökologische Lösungen auf den Bestand zu übertragen und dabei die Menschen mitzunehmen. Klimaanpassung muss zur nationalen Aufgabe erhoben, Bauen in eine ressourcenbewusste Kreislaufwirtschaft überführt werden und die Energiewende auch städtebaulich und räumlich interpretiert werden. Ich wünsche mir eine Politik, die die Bereiche Bauen, Stadt- und Raumentwicklung als wichtige politische Handlungsfelder erkennt und entsprechend handelt. Die Politik muss Wohnen als die soziale Aufgabe unserer Zeit verstehen aber auch die Kluft zwischen Land und Stadt konsequent abbauen.

 

Prof. Dr. Heiner Monheim, raumkom Panel 5.3: Mobilität, Logistik, Infrastruktur – Wie gelingt intelligente Vernetzung?

© Prof. Dr. Heiner Monheim

 

Eine Verkehrswende erfordert grundlegend veränderte Prioritäten bei den Investitionen und im Rechtsrahmen. Deutlich weniger Pkw- und Lkw-Verkehr müssen erreicht werden. Der Umweltverbund aus Fuß- und Radverkehr und Öffentlichem Verkehr braucht in Stadt und Land Priorität. Der öffentliche Raum muss für qualitätsvolle Gestaltung zurückerobert werden.

 

Jan Musikowski Panel 2.3: Zwischen Haltung und Zwängen – Wie bleiben Planer unabhängig?

© Klemens Renner

 

„Wir haben für Sie ein Bett gemacht. Sie brauchen sich nur noch hineinlegen.“ Mit diesen Worten empfing uns die Bauherrenschaft nach dem Wettbewerbsgewinn zum Futurium. War bisher die Entwurfsidee von großer Leichtigkeit getragen, drohte sie bald unter der Flut aus wirtschaftlichen Vorgaben, funktionalen Abhängigkeiten und baulichen Normen begraben zu werden. Um diesem scheinbar chronischen Berufsleiden Herr zu werden, versuchten wir, die äußeren Zwänge als kreatives Potential zu verstehen. Was argumentativ standhielt, wurde beibehalten, was unterging, wurde durch eine tragfähigere Idee ersetzt. Fünf Jahre später verließen wir das Bett mit der entscheidenden Erkenntnis, das die Bereitschaft zu einer beweglichen und dennoch fokussierten Haltung nicht nur zu einer besseren Funktionalität sondern auch zu einer konsistenteren Architektur führt.

 

Gönül Nar, Gönül Nar Business Coach DAT-Werkstatt 1: Architektinnen Startups

© Matthias Fluhrer

 

Ob Gründung oder Neuorientierung – Wir, Gönül Nar und Angelika Cummerow,  arbeiten seit Jahren mit Frauen in dem Bereich der Existenzgründung und wollen unsere Erfahrung und Wissen an Frauen weitergeben und sie ermutigen diesen Schritt zu gehen. Im Workshop von n-ails (Berliner Netzwerk von Planerinnen e.V) werden spielerisch Geschäftsideen entwickelt und von fiktiven Investorinnen bewertet. Was sind meine beruflichen Träume?  Wer ist meine Zielgruppe? Wie akquiriere und wie finanziere ich? Impulsvorträge und Unterstützung kommen von Startup-Gründerin Viviane Hülsmeier, Businesscoach Gönül Nar  und Angelika Cummerow, beide  von economista e.V.

 

Ulli Nissen MdB Panel 4.2: Weibliche Führung – Wer entscheidet in der Planung?

© Inga Haar

 
  • Mehr Frauen in Führungspositionen.
  • Frauenquote in Aufsichtsräten.
  • Frauen in der Gesellschaft sowie der freien Wirtschaft stärken.
 

apl. Prof. Dr. Niko Paech Panel 6.1: Zwei-Grad-Ziel – Kann denn Bauen Sünde sein?

© Michael Messal

 

Die Zeit des Wachstums neigt sich ihrem Ende zu. Weitere wirtschaftliche Expansion ist in jeder Hinsicht verantwortungslos. Das gilt ganz besonders für die Okkupation weiterer Flächen. Nur ein radikales Flächenmoratorium kann Teil einer Lösung sein. Für die Architektur heißt das dreierlei: Erstens bedarf es beruflicher und politischer Anstrengungen, Klienten und Entscheidungsträger davon abzubringen, neue Wohnhäuser oder andere Immobilien erschaffen zu wollen. Zweitens muss sich die Architektur auf die Optimierung und den Erhalt vorhandener Immobilien und Infrastrukturen konzentrieren. Drittens muss sich die Architektur ihre Planung daran orientieren, dass Menschen in ihren Möglichkeiten unterstützt werden, ein postwachstumstaugliches Dasein zu praktizieren. Das bedeutet, sesshaft zu leben, mit Gütern nachhaltiger umzugehen, mit weniger Konsum auszukommen und sich an einer individuellen Höchstgrenze für die ökologische Belastung auszurichten.

 

Georg Pendl Panel 1.2: Leitbild Europäische Stadt – Was bewirken die Davoser Erklärung oder die Leipzig Charta 2.0?

© Maurizia Tami

 

Der Schweizer Präsident Alain Berset hat durch die Erklärung von Davos das Thema Baukultur und den Begriff selbst auf der europäischen Ebene platziert. Ein weiterer Schritt wurde durch den Ratsbeschluss des Arbeitsprogramms für Kultur 2019-22 gesetzt, in welchem "hochwertige Architektur und gebaute Umwelt für alle" nicht nur als eines von 17 Themen definiert wurde, sondern in der Begründung dazu ein Satz zitierenswert ist: „Der Schwerpunkt wird auf Architektur als Disziplin, die ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und technischen Aspekten im Hinblick auf das Gemeingut bietet, liegen.“ Damit wird hochwertige Architektur als im allgemeinen Interesse liegend definiert. Auf dieser Grundlage aufbauend müssen wir alle uns in die angekündigte Arbeitsgruppe (OMK) einbringen, um das Ergebnis derselben zu beeinflussen. Als Ziel sind Schlussfolgerungen des Rates gesetzt. Derartige deklarative Äußerungen von offizieller Seite bedeuten nicht nur Schritte in der Anerkennung der Bedeutung der Qualität der gebauten Umwelt, sondern stellen auch Zeichensetzungen für weitere, insbesondere regionale und lokale Verantwortliche dar - sind zudem gleichsam Toolboxes, Sammlungen von Argumenten, welche in solchen Prozessen gesammelt und weitergegeben werden können.

 

Dr. Sascha Peters, HAUTE INNOVATION Zukunftsagentur für Material und Technologie Panel 7.2: Im Jahre 2030 – Wie gestaltet sich die Zukunft unserer Arbeitswelt?

© Bastian Bartsch Photography

 

Dr. Sascha Peters ist eingeladen, einen Blick in die Zukunft zu wagen und die Potenziale der Digitalisierung zur Gestaltung unserer Arbeitswelten zu skizzieren. Im Rahmen des Panels "Im Jahre 2030 – Wie gestaltet sich die Zukunft unserer Arbeit" wird er die aktuellen Trends beschreiben, zwischen Gebäuden aus dem 3D-Drucker, Smart Dust und Metamaterialien für den 4D-Druck.

 

Norbert Portz, Deutscher Städte- und Gemeindebund DAT-Werkstatt 2: Faire Vergabe

© Deutscher Städte- und Gemeindebund

 

"Architekten- und Ingenieurleistungen werden im Leistungswettbewerb vergeben". Diese klare Aussage in § 76 der Vergabeverordnung macht die Besonderheit der Vergabe von freiberuflichen Architektenleistungen durch die Kommunen deutlich. Nicht der Preiswettbewerb, wie er häufig bei der Vergabe öffentlicher Leistungen im Bau- oder Lieferbereich stattfindet, sondern der Wettbewerb um die beste Qualität steht im Vordergrund. Damit werden faire und nachhaltige Vergaben, die gleichermaßen ökonomischen, ökologischen, sozialen Aspekten sowie Zielen der Baukultur dienen, in den Vordergrund gestellt. Zur Erreichung dieser Ziele spielen Planungswettbewerbe eine besondere Rolle. Sie sichern die Planungsqualität und fördern die Baukultur.

 

Prof. Dr. Riklef Rambow Panel 3.2: Bildungsthema Architekturvermittlung – Wie gelingt Partizipation?

© Marie Luisa Jünger

 

Architektur ist eine komplexe und dynamische Disziplin zwischen Kunst, Gestaltung und Technologie, sie muss auf gesellschaftliche, ökonomische und kulturelle Rahmenbedingungen reagieren. Viele Qualitäten von Architektur sind, entgegen einer weitverbreiteten Vorstellung, nicht unmittelbar erlebbar und müssen deshalb immer wieder aufs Neue vermittelt und oft auch verhandelt werden. Gute Kommunikation ist die Voraussetzung, dass gute Architektur entstehen kann und die Wertschätzung erfährt, die sie verdient.

 

Hon. Prof. Mag. art. Martin Rauch Panel 6.3: Konzept, Material, Verantwortung – Was hinterlassen wir der nächsten Generation?

© Alexandra Grill

 

Was es braucht, ist eine ehrliche, radikal umgesetzte Kostenwahrheit und ökosozialer Basis aller eingesetzten Baustoffe. Anstatt nur von Nachhaltigkeit und dem Bauen mit lokalen Ressourcen zu sprechen, bedarf es viel mehr einer Umsetzung mit der Bereitschaft, auch Kompromisse einzugehen. Da es beim Lehmbau de facto keinen wirtschaftlich orientierten Lobbyismus gibt, ist es notwendig, den politischen Willen, Forschung und Entwicklung zu fördern. Dazu ist eine gezielte Ausbildung in der Baubranche für zukünftige Lehmbaufachkräfte essenziell.

 

Stefan Reichert, Ecovis L+C Rechtsanwaltsgesellschaft mbH DAT-Werkstatt 3: Faire Vergütung und Haftung für Planungsleistungen

© ECOVIS

 

Die zunehmend ausufernde Haftung des Architekten basiert mehr auf liebgewonnenen Gewohnheiten als auf dogmatischen Grundlagen. Dieses Haftungsrisiko findet in der HOAI mit ihrem zwingenden gesetzlichen Preisrecht keine faire und praxistaugliche Entsprechung. Die HOAI mag zwar unangenehme Honorarverhandlungen ersparen, ob sie allerdings eine interessengerechte Vergütung gewährleisten kann, darf bezweifelt werden.

 

Prof. Ritz Ritzer Panel 5.2: Wohnungsbau – Wie funktioniert städtische Nachverdichtung?

© bogevischs buero

 

Inneres städtisches Wachstum hat viele Gesichter: die Nachverdichtung der Stadt kann ein Weg sein, bestehende Strukturen weiter und intensiver und daher nachhaltiger zu nutzen. Einher geht die Mehrung des Verkehrsaufkommens und der baulichen Dichte und gleichzeitig das Verlassen der Paradigmen der Moderne nach Luft, Licht und Sonne. Wir müssen uns fragen, wann hier die kritische Masse erreicht ist und wir vielleicht mit Maßnahmen zur Attraktivierung aktuell schrumpfender Kommunen oder gar Neugründungen dem Druck auf die Ballungsräume ein Ventil geben.

 

Amber Sayah, Freie Journalistin Panel 3.1.: Gesellschaftliche Relevanz – Was bringen uns Diskurs und Kritik?

© Wilhelm Betz

 

Bei der Frage nach der Rolle von Diskurs und Kritik fällt mir Alejandro Aravenas Biennale-Motto von 2016 „Reporting from the front“ wieder ein und sein (bei Bruce Chatwin entliehenes) Foto der Archäologin Maria Reiche, die mitten in der südamerikanischen Wüste auf einer Leiter steht, um die sogenannten Nazca-Linien zu erforschen. Vom Boden aus betrachtet lagen die Steine nur herum, „aber aus einer erhöhten Position fügten sie sich zum Bild eines Vogels, eines Baums oder einer Blume“. Mir scheint, Kritik hat genau diese Aufgabe: im modernen Informationschaos Zusammenhänge herauszulesen, ihren Sinn zu erkunden, zu verstehen, was Architektur und Städtebau zur Produktion sozialer Beziehungen beitragen – kurz, Frontberichte über unsere gebaute Umwelt in den gesellschaftlichen Diskurs zu tragen.

 

Prof. Dr. Tatjana Schneider Panel 1.1: Urbanität und Demokratie – Wie lassen sich Vorgaben ändern?

© Tatjana Schneider

 

Obwohl Planung, genauso wie die Architektur, häufig als abstraktes Instrument des Ordnens von Menschen, Maschinen und Dingen verstanden wird, stimmt das natürlich nicht. Denn Planung, die selbst in Demokratien nicht selbstverständlich demokratisch verhandelt wird, macht Öffentlichkeiten möglich oder verhindert diese, kann Inklusion unterstützen oder untergraben, kann Kontroversen zulassen oder diese von vornherein unterbinden. Um historisch verankerte sozio-räumliche Ungleichheiten nicht einfach nur immer wieder zu reproduzieren, dürfen Forderungen nach dem Recht auf Stadt daher nicht länger von einigen wenigen bestimmt werden, sondern von vielen verhandelt werden. Dafür müssen Systeme, Mechanismen und Prozesse erweitert und teils neu gedacht werden, um gerechte Räume zu ermöglichen.

 

Ministerialrat Dr. Gerhard Schomburg DAT-Werkstatt 3: Faire Vergütung und Haftung für Planungsleistungen

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Mit der Reform des Bauvertragsrechts von 2018 wurden erstmals spezifische Vorschriften für den Architekten- und Ingenieurvertrag in das Bürgerliche Gesetzbuch eingefügt. Jetzt muss das neue Recht mit Leben gefüllt werden und sich in der Praxis bewähren. Die Reform des Bauvertragsrechts hat unter anderem die gesamtschuldnerischen Haftung des Architekten/Ingenieurs mit dem bauausführenden Unternehmer modifiziert (§ 650t BGB). Mit der Neuregelung verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, die überproportionale Belastung der Architekten und Ingenieure im Rahmen der gesamtschuldnerischen Haftung zu reduzieren. Das Gesetz sieht dazu ein Leistungsverweigerungsrecht des Architekten/Ingenieurs vor. Wird der Architekt/Ingenieur wegen eines Überwachungsfehlers in Anspruch genommen, der zu einem Baumangel geführt hat, kann er die Leistung verweigern, wenn der Besteller nicht zuvor den ausführenden Bauunternehmer erfolglos zur Nacherfüllung aufgefordert hat. Damit soll eine vorschnelle Inanspruchnahme des Architekten oder Ingenieurs verhindert werden. Der Nachbesserung wird auch in dem durch die Gesamtschuld entstehenden Mehrpersonenverhältnis zwischen Besteller, Architekt/Ingenieur und bauausführendem Unternehmer der Vorrang eingeräumt. 

 

Dr. Volker Sieger Panel 3.3: Sprechen über Inklusion – Ein exklusives Planungs-Thema?

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Zeitgemäße Planung muss inklusiv ausgerichtet sein. Dabei bezieht sich Inklusion keinesfalls nur auf die Bedürfnisse und Bedarfe von Menschen mit Behinderung. Inklusives Denken und Planen baut Aussonderung in jedweder Hinsicht vor und betrifft viele Bevölkerungsgruppen. Entscheidend bei der Berücksichtigung von Inklusion in Planungsprozessen ist, dass Planungen nicht nur infrastrukturell, sondern sozialräumlich ausgerichtet sind. Dies erfordert von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Kommunikation.

 

Prof. Dr. Guido Spars Panel 4.3: Kooperation – Erfolg durch Solidarität?

© Guido Spars

 

Die Kooperation zwischen Planenden und solidarische Ansätze der Planung haben starke ökonomische Vorteile, da sie helfen Transaktionskosten in großem Umfang zu sparen.

 

Claudia Tausend MdB, Deutscher Bundestag Panel 5.1: Die richtige Mischung – Wem gehört der Boden?

© Claudia Tausend

 

Die dramatische Verknappung und Verteuerung von Wohnraum und Bauland, insbesondere in Stadtregionen, führt zu massiven Bodenspekulationen. Der entfesselte Bodenmarkt und damit verbundene explodierende Mietpreise und Verdrängungsprozesse gefährden den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Angesichts des Wachstums der Städte mit all seinen Herausforderungen wird die Bodenpolitik zum Dreh- und Angelpunkt einer sozial gerechten und nachhaltigen Stadtentwicklung.

 

Dr. Gereon Uerz Panel 7.2: Im Jahre 2030 – Wie gestaltet sich die Zukunft unserer Arbeitswelt?

© arup

 

Die Arbeitsformen und -welten werden sich in den nächsten 20 Jahren tiefgreifend verändern. Die Wissensarbeit wird sich durch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen ähnlich dramatisch wandeln, wie die Industriearbeit durch die Robotik und Automation. Für Planende und Architekturschaffende entstehen neue Fragen, die auch grundlegend neue Antworten erfordern.

 

Laura Weißmüller Panel 3.1.: Gesellschaftliche Relevanz – Was bringen uns Diskurs und Kritik?

© Lisa Hörterer

 

Die gebaute Umwelt beeinflusst, wie wir heute leben. Sie entscheidet aber auch zunehmend über die Zukunft unseres Planeten. Architekturkritik bietet die Chance, zu reflektieren, inwiefern sich die Architektur den multiplen Krisen unserer Gegenwart und damit ihrer Verantwortung stellt.

 

Tim von Winning Panel 5.2: Wohnungsbau – Wie funktioniert städtische Nachverdichtung?

© Stadt Ulm

 

Steigende Wohnflächenansprüche, immer größere Aufwendungen für die Infrastruktur, hohe individuelle Mobilitätsbedarfe sowie eine Endlichkeit der Ressource Boden lassen in wachsenden Städten aus ökologischen und ökonomischen Gründen keine sinnvolle Alternative zur Verdichtung in erschlossenen Bereichen der Stadt zu. Stadtverwaltungen kommt hier eine hohe Verantwortung zu insbesondere im Hinblick auf die Gestaltung und Mediation von Partizipationsprozessen. Gelingen kann dies nur, wenn bei entsprechenden Projekten auch Mehrwerte für die bestehenden Nachbarschaften generiert werden können.

 

Max Otto Zitzelsberger Panel 2.2: Architektonische Identität – In welchem Stile wollen wir bauen?

© Gerhard Schnabel

 

Das Bauen beruht auf einer Kollaboration zwischen Vergangenheit und Zukunft  einer nie endenden, sich immer neu erfindenden Inspirationsquelle.

 
 

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